
Vergangenheit ist nicht, was geschah. Sondern, was geschrieben wurde.
Ich schreibe vermeintlich Vertrautes anders. Geschichten über Geschichte(n) aus dem Blickwinkel der dunklen Figuren oder der Hintergrundstatisten.

Vita

Fokus
Mein besonderes fachliches Interesse gilt der vorchristlichen europäischen, vorderasiatischen und ägyptischen Religionsgeschichte, der Wechselwirkung zwischen Politik und Religion in den jeweiligen Kulturen sowie geschichtlichen Epochen. Entsprechend sind meine Texte angesiedelt: Ich schreibe hauptsächlich historische Romane mit einem unübersehbaren Aktualitätsbezug und teilweise einem Touch Fantastik, sofern dies ins Denken und Weltbild der jeweilen Zeit passt. Alle Texte basieren auf gründlicher Recherche, integrieren so weit wie möglich überlieferte geschichtliche Ereignisse und historische Personen als Haupt- oder wichtige Nebenfiguren, wobei ich mir für eine bessere Verständlichkeit Vereinfachungen und Lücken erlaube.
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Bei Texten um nichthistorische Ereignisse und Figuren, etwa die biblische Moses- bzw. Esau-Figur, lege ich ebenfalls Wert auf eine glaubwürdige historische Einbettung. So schenkt in meinem Text der reuige Jakob seinem betrogenen Zwilling Esau keine Kamele, wie im biblischen Bericht geschrieben, denn das domestizierte einhöckerige Kamel ist in der Bronzezeit, in der die Geschichte spielt, im Raum Kanaan noch nicht verbreitet.
Ebenso wenig heiratet die Burgundenprinzessin Grimhilt den Hunnenkönig Attila, wie in der Nibelungensage dargestellt, da sich die Lebenszeit Attilas historisch nicht mit den Ereignissen deckt, die zum Fall des ersten Burgundenreiches am Rhein führten.
Die möglichst sorgfältige historische Einbettung hindert mich allerdings nicht daran, Götter sprechen zu lassen, einer Figur seherische Fähigkeiten oder ein mythologisches Schutztier zu verleihen, eine andere Ebene in die normale Realität einsickern zu lassen. Denn zur (religions-)geschichtlichen Einbettung gehört auch die Berücksichtigung des damals verbreiteten Weltbildes und der damaligen Spiritualität. Sie prägen die Wahrnehmung, das Denken und Handeln der Figuren. So steckt in meinen Texten viel Legenden- und Sagenhaftes, das mit der historischen Realität bricht und einen Blick auf andere Ebenen eröffnet.
Wirklichkeit ist nicht, was ist. Sondern, was wir zu (er-)kennen glauben.

Werk
Weshalb küsst Judas Iskariot im Garten Gethsemane seinen einzigen Freund?
Wie bewältigt die Nibelungenmutter Oda die Verwerfungen der Völkerwanderungszeit und ihre persönliche Lebenskatastrophe? Welche Rolle spielt eine gotische Ärztin beim Untergang des römischen Reiches – sie, oder ihr Schutztier, ein Wolf aus alten Sagen?
Warum tauschen Königin Nofretete und König Echnaton die Rollen? Wie behauptet sich eine heidnische Philosophin in den kirchlichen Richtungskämpfen am Kaiserhof von Konstantinopel? Welches Spiel treibt ein grauer, einäugiger Wanderer in Begleitung zweier Raben mit einem verirrten Fürstensohn in den Alpen?
Und wie wird ein ägyptischer Kronprinz zum Mann Mose?
Bibliografie
Panel Der Kuss im Garten
Doch Madeleine Bieri überrascht mit einer neuen Perspektive. Aus Jehudas Sicht schildert sie dessen bewegtes Leben und die Wanderjahre Jeshuas mit seiner mehr oder weniger überzeugten Gefolgschaft, die spannungsgeladenen Beziehungen und Dispute in der Gruppe. Erzählt von unerklärlichen Ereignissen, Streitgesprächen, von Wut und Unverständnis, Ablehnung und Hass, aber auch Liebe und Zuneigung. Der Autorin gelingt es, in moderner Sprache – jedoch nie aufgesetzt effekthaschend – mit einer eigenwilligen Dramaturgie, bestimmt durch das Innenleben Jehudas, das Psychogramm eines Menschen auf der Suche nach dem Sinne des Lebens zu zeichnen und einer «tot geglaubten» Geschichte neues Leben einzuhauchen. Die Szenen der biblischen Geschichte erscheinen in verblüffend anderem Licht. – Warum könnte es nicht auch so gewesen sein?
Der Kuss im Garten, Zytglogge Verlag 2002
ISBN 3-7296-0632-8
Vergriffen, Rechte bei der Autorin.
Pressestimmen

Panel Eine Neuerzählung der Nibelungensage
die Entwicklungen, die zur Familientragödie führten. Für Manches trägt Oda eine Mitverantwortung, Anderes erkennt sie dank ihrer Sehergabe rechtzeitig als verheerend, etwa den Lindwurm unter der gefälligen Oberfläche des Frankenführers Sigufrid, stösst mit Warnungen jedoch auf taube Ohren. Zum Glück trägt die Schwiegertochter Brunnihilt als eigentliche Schicksalsfrau Odas Familie und Lebenswerk in die Zukunft.
Unveröffentlicht, publikationsfertig, Rechte bei der Autorin.
Leseproben
„Was wäre geschehen, hätte mich jenes Pferd an einem anderen Tag getreten?“, fragte ich während eines Traumes meinen toten Bruder Albreik. Ab und zu besuchte er mich nachts als Schatten oder bloss spürbare, unsichtbare Gegenwart. Geisterfürst, Albenkönig … ach, wie viele Jahre vergingen bereits, seit du durch die Schleier gingst!
„Wäre dann meine Gabe anders ausgeprägt? Würde ich gewisse Ereignisse jetzt besser verstehen?“
„Ich weiss es nicht“, antwortete die Präsenz, die ich als Albreik erkannte, „nicht ich bin der Seher. Sondern nur das Schicksal einer Seherin.“
„Deshalb frage ich dich. Du gabst mir den Ring.“

Panel Eine Sage über die Wolfsfrau
Im Gespräch mit dem todkranken Römer Bischof Leo I blickt die gotische Ärztin Albrun auf ihr turbulentes Leben zurück, das sie als Kriegswaise zuerst zu den rebellierenden Wisigoten, danach zu den Hunnen, schliesslich ins Herz des römischen Imperiums und stets an die Seite der einflussreichsten Menschen führt, deren Werdegang sie entscheidend mitprägt. Ohne es zu wollen. Dadurch, erkennt Leo bestürzt, hat Albrun bei den umwälzenden Ereignissen, die den Kollaps des weströmischen Reiches ankündigen, stets die Finger mit im Spiel – sie und ihr unsichtbarer Begleiter, den er einen bösen Geist und sie ihren grauen Wolf nennt.
Unveröffentlicht, publikationsfertig, Rechte bei der Autorin.
Leseproben
Vorsichtig äugte ich ins Wasserbecken – und sah erneut den Wolf.
Komm her. Wenn du dich traust.
Was willst du, Wolf? Soll ich zu dir ins Wasser steigen, in dich hinein? Was dann? Werde ich du sein? Oder du ich?
Merk es selbst, forderten seine Bernsteinaugen. Es ist Zeit.

Panel Eine Biografie von Königin Nofretete
Rückblickend erzählt sie ihren aussergewöhnlichen Lebensweg unter mehreren Namen als entscheidende Protagonistin einer politischen und religiösen Umbruchszeit. Zugleich, in der Rahmenhandlung, deckt sie mit Hilfe langjähriger Weggefährten die Hintergründe der Ermordung ihrer ältesten Tochter auf und kämpft mit allen Mitteln gegen den absehbaren Niedergang ihrer Familie.
Unveröffentlicht, publikationsfertig, Rechte bei der Autorin.
Leseproben
Wer allerdings unsere kunstvollen Pläne durchkreuzte, war ausgerechnet unsere eigene Tochter Merit-Aton. Diese kühne, frühreife Frau hatte offenbar eigene Vorstellungen bezüglich der zeremoniellen Rolle als Grosse Königliche Gemahlin ihres Vaters: Sie schlich sich nachts in sein Bett und forderte ihn auf, zu tun, was ein Ehemann mit seiner Ehefrau tat.
„Sie verlangte es“, verteidigte sich Ach-an-Aton, als ich ihn ausser mir vor Wut und Sorge zur Rede stellte, kaum kam mir der Palastklatsch frühmorgens zu Ohren.
„Wenn eine schöne junge Frau etwas verlangt, so muss der König noch lange nicht gehorchen“, fuhr ich ihn an, „sie ist zu jung für ein Kind, Bruder!“

Panel Ein Bericht der Kaiserin aus Athen
Doch gelangt sie unverhofft als Augusta Aelia Eudocia an die Seite des oströmischen Imperators, mitten ins Machtzentrum und ein dichtes Intrigengestrüpp am Hof von Konstantinopel. Dort bewegt sie einiges, aber zu ihrem eigentlichen Leben und sich selbst findet sie erst, als sie nach Jerusalem übersiedelt und bei gewaltsamen Religionswirren dank ihres Verhandlungsgeschicks die Heilige Stadt vor Zerstörung retten kann.
Unveröffentlicht, publikationsfertig, Rechte bei der Autorin.
Leseproben
„Du bist meine weitaus beste Schülerin, Athenaïs“, betonte Plutarch, „nicht verwunderlich deshalb, dass du mir während des Tempelschlafs mit dem Philosophenmantel erschienst.“
Ich tagträumte ja selber davon.
„Dessen Farbe war hingegen sehr wohl verwunderlich: Purpur.“
Mir blieb der Mund offen. Die Verwendung dieser teuren Farbe war gesetzlich streng geregelt. Vollständig purpurgefärbte Mäntel waren der engsten imperialen Familie vorbehalten.
„In der Hand hieltest du einen langen Stab mit einem Kreuz. Darauf sass eine Eule.“

Panel Die Erzählung des Mannes Moses
jahrelang unfreiwillig mit Nomaden lebt, nach seiner Rückkehr an den Nil zum Konkurrenten seines Vaters wird und in einem fremdstämmigen Arbeiter einen schicksalsbestimmenden Freund findet. Um einen Bürgerkrieg zu vermeiden, muss er schliesslich Ägypten verlassen, worauf sein Vater ihn aus der Erinnerung und Geschichte tilgt. So geht Prinz Djehutmose vergessen und macht den Weg frei für etwas Neues: den Mann Mose.
Unveröffentlicht, publikationsfertig, Rechte bei der Autorin.
Leseproben
„Du musst mich gehen lassen“, verlangte ich und zog meine Sandalen aus, wie immer, wenn ich betete und mich deshalb auf heiligem Boden vor dem Angesicht eines Gottes befand, „zeig deinen Leuten und der ganzen Welt, dass du mich nach Hause schickst. Entweder das, oder ich bleibe hier ohne zu trinken, bis ich sterbe. Hast du das gehört?“
So forderte ich den Gott heraus, erpresste ihn – und siegte! Denn wirklich offenbarte er sich mir.

Panel Eine Sagenwanderung
Jedoch merkt er nicht, wie er sich mit jedem Schritt weiter im Netz verstrickt, das ein grauer, einäugiger Wanderer ausgeworfen hat. So rutscht er selbst in eine Sagengeschichte und auf eine andere Ebene – als Spielball alter Mächte.
Unveröffentlicht, publikationsfertig, Rechte bei der Autorin.
Leseproben
Warum erzählt er jetzt doch, worüber er nicht reden will? Hat ihn die Alte mit ihrer Salbe verhext?
„Lass mich endlich schlafen.“
„Wenn du glaubst, das zu können“, spottet sie, „warum erzählst du mir nicht alles?“
„Weil’s dich nichts angeht“, faucht er und hört:
„Weit gefehlt. Wer immer verloren durch meine Berge streift, geht mich etwas an. Besonders, wenn er sich aufs Gletschereis wagt und der Jungfrau im Rottal begegnet. Hinter solchen Menschen stecken Geschichten, die nicht nur sie selber etwas angehen.“

Panel Esau der Rothaarige
Unveröffentlicht, geschrieben und im Überarbeitungsstadium, Rechte bei der Autorin.
Leseproben
„Man könnte beinahe auf die Idee kommen, du hättest mir das Erstgeburtsrecht für etwas Brot und einen einzigen Teller rotes Linsengemüse verkauft“, meinte Ja’aqov augenzwinkernd. Darüber musste ich lachen.
„Bizarre Idee.“
Jedoch ist wohl keine Idee zu bizarr, als dass nicht irgendwann, irgendwo jemand darauf käme. Die menschliche Vorstellungskraft ist fast so grenzenlos wie göttliche Schöpfungsmacht.


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Panel Der Kuss im Garten
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